Forschung über Autismus

Forschung

NEUES AUS DEM AUTISTISCHEN SPEKTRUM

Autismus

zum Thema

WISSENSWERTES

Aktuelle Studien über Autismus

In die­ser Rubrik möch­ten wir Sie im Hin­blick auf die ste­tig statt­fin­den­de For­schung zum The­ma “Autis­mus” auf dem Lau­fen­den hal­ten. Wir wer­den die­se Sei­te stän­dig aktua­li­sie­ren bzw. erweitern.

AUTISMUS-FORSCHUNG

Forschungsprojekt
ELKASS

Autis­mus-For­schung. For­schungs­pro­jekt ELKASS. Am Frei­tag, dem drei­zehn­ten Sep­tem­ber 2019, fand in der Tech­ni­schen Uni­ver­si­tät Dort­mund die letz­te von ins­ge­samt drei Tagun­gen zum For­schungs­pro­jekt Ell­kass, Eltern von Kin­dern mit Autis­mus-Spek­trum-Stö­run­gen, statt. Die­se Stu­die wid­me­te sich der For­schungs­fra­ge, inwie­weit die päd­ago­gisch-the­ra­peu­ti­sche För­de­rung der Kin­der und Jugend­li­chen mit Autis­mus-Spek­trum-Stö­run­gen in den Autis­mus-The­ra­pie-Zen­tren dazu beiträgt,die Belas­tun­gen der Eltern zu ver­rin­gern, und ihre Res­sour­cen zur Bewäl­ti­gung der Anfor­de­run­gen zu stär­ken. Trös­ter, Ober­feld, Kra­win­kel und Lan­ge, 2017. Zunächst begrüß­te der Lei­ter des For­schungs­pro­jek­tes, Pro­fes­sor Dok­tor Hein­rich Trös­ter, die anwe­sen­den Reprä­sen­tan­ten und Reprä­sen­tan­tin­nen der zehn an der Stu­die mit­wir­ken­den Autis­mus-The­ra­pie­zen­tren. Stu­di­en­ko­or­di­na­to­rin Dok­tor Sarah Lan­ge sowie Frau Tere­sa Mann, M A, gaben dann in ihrem Kurz­vor­trag, Kli­en­tel, the­ra­peu­ti­sches Per­so­nal und För­der­an­ge­bo­te der Autis­mus-The­ra­pie-Zen­tren, einen Über­blick über die Zusam­men­set­zung der,multiprofessionellen Teams, die Dia­gno­sen der Klient/innen sowie die unter­schied­li­chen The­ra­pie­me­tho­den, die die The­ra­peu­tin­nen und The­ra­peu­ten der Autis­mus-The­ra­pie-Zen­tren ein­set­zen. Ein aus­führ­li­cher Bericht über die For­schungs­er­geb­nis­se, ist in der Zeit­schrift des Bun­des­ver­ban­des autis­mus Deutsch­land e V, Aus­ga­be Num­mer 86, Dezem­ber 2018, nach­zu­le­sen. Im fol­gen­den Kurz­vor­trag erklär­te Herr Pro­fes­sor Dok­tor Trös­ter, wie das Stu­di­en­de­sign ent­wi­ckelt wur­de, und wie die Längs­schnitt­stu­die auf­ge­baut war. Die gewon­ne­nen For­schungs­er­geb­nis­se umfas­sen einen För­der­zeit­raum von acht Mona­ten, und basie­ren auf den Anga­ben von 102 Eltern von Kin­dern und Jugend­li­chen mit A S S, die an allen drei Erhe­bungs­zeit­punk­ten der Stu­die teil­ge­nom­men haben. Details zu der durch­ge­führ­ten Stu­die kön­nen auf der Inter­net­prä­senz der TU Dort­mund, Fakul­tät Reha­bi­li­ta­ti­ons­wis­sen­schaf­ten, nach­ge­le­sen wer­den. Ins­be­son­de­re vier Fra­ge­stel­lun­gen waren für das For­schungs­team von Inter­es­se: >Wel­che Anfor­de­run­gen erge­ben sich für die Eltern aus der Sym­pto­ma­tik des Kin­des? Inwie­weit füh­ren die­se Anfor­de­run­gen zu Belas­tun­gen der Eltern? Auf wel­che Res­sour­cen kön­nen Eltern zurück­grei­fen, um die Anfor­de­run­gen zu bewäl­ti­gen? Inwie­weit trägt die päd­ago­gisch-the­ra­peu­ti­sche Unter­stüt­zung der Fami­li­en dazu bei, die Res­sour­cen der Eltern zu stär­ken und ihre Belas­tung zu redu­zie­ren? Im nach­fol­gen­den Vor­trag von Frau Dok­tor Lan­ge und Herrn Pro­fes­sor Dok­tor Trös­ter, wur­de das Anfor­de­rungs- und Belas­tungs­pro­fil von Eltern von Kin­dern mit Autis­mus-Spek­trum-Stö­run­gen detail­liert vor­ge­stellt. Frau Dok­tor Lan­ge erklär­te, dass es vier Ebe­nen der elter­li­chen Belas­tung gäbe. Inter­es­sant sei­en wäh­rend ihrer For­schung ins­be­son­de­re der Zusam­men­hang der Beein­träch­ti­gun­gen im All­tag, und den Anfor­de­run­gen für die Eltern, sowie der Zusam­men­hang zwi­schen den Anfor­de­run­gen und Belas­tun­gen der Fami­li­en gewe­sen. In der anschlie­ßen­den Dis­kus­si­on wur­de die Wich­tig­keit der Eltern­ar­beit her­aus­ge­stellt. Nach dem gemein­sa­men Mit­tag­essen, ging es mit einem erneu­ten Kurz­vor­trag von Herrn Pro­fes­sor Dok­tor Trös­ter wei­ter im Tagungs­pro­gramm. Der nächs­te Teil, den Herr Pro­fes­sor Dok­tor Trös­ter refe­rier­te, hat­te die the­ra­peu­ti­sche Alli­anz und Res­sour­cen-Akti­vie­rung in der Autis­mus­the­ra­pie zum The­ma. Die Grund­fra­ge, ob es nach Auf­nah­me der autis­mus­spe­zi­fi­schen För­de­rung zu einer Ent­las­tung der Fami­li­en kommt, kön­ne Herrn Trös­ter zufol­ge ein­deu­tig mit Ja beant­wor­tet wer­den. Dabei sei die the­ra­peu­ti­sche Alli­anz als bedeu­tends­ter Wirk­fak­tor zu erwäh­nen. Die the­ra­peu­ti­sche Alli­anz bezeich­net das Arbeits­bünd­nis zwi­schen The­ra­peut, bezie­hungs­wei­se The­ra­peu­tin, und Kli­ent, bezie­hungs­wei­se Kli­en­tin, und lässt sich Bor­din (1979 und 1994) zufol­ge in die Berei­che Bond (Ver­trau­en, Bin­dung, gemein­sa­mes Ver­ant­wort­lich­keits­ge­fühl), Goals (Über­ein­stim­mung über die Ziel­set­zung) und Tasks (Über­ein­stim­mung bezüg­lich der Auf­ga­ben) ein­tei­len. Die Bezie­hungs­zu­frie­den­heit ist Herrn Dok­tor Trös­ter nach aus­schlag­ge­bend für den The­ra­pie­er­folg. Eine gute Qua­li­tät der Bezie­hung zwi­schen den Eltern und der The­ra­peu­tin, bezie­hungs­wei­se dem The­ra­peu­ten, hat Ein­fluss dar­auf, ob die Belas­tung der Eltern im The­ra­pie­ver­lauf abnimmt. Die star­ke Ein­bin­dung der Eltern in die the­ra­peu­ti­sche Arbeit, führt zudem zu einem posi­ti­ven Effekt im Belas­tungs­er­le­ben der Eltern. Als wei­te­res Wirk­prin­zip, neben der the­ra­peu­ti­schen Alli­anz, wur­de die Res­sour­cen-Akti­vie­rung beschrie­ben. Ins­be­son­de­re die Selbst­wirk­sam­keits-Über­zeu­gun­gen der Eltern sind als moti­va­tio­na­le Trieb­fe­dern zu betrach­ten. Dabei führt wie­der­um auch die Bezie­hungs­zu­frie­den­heit zu einer wahr­ge­nom­me­nen Selbst­wirk­sam­keit. Wer­den Eltern gut in die För­de­rung mit ein­be­zo­gen, steigt auch das Ver­trau­en in die eige­nen Kom­pe­ten­zen. Die Fra­ge, ob die The­ra­pie die wahr­ge­nom­me­ne Ver­füg­bar­keit sozia­ler Unter­stüt­zung der Eltern stärkt, kann eben­falls mit Ja beant­wor­tet wer­den. Inner­halb der ers­ten vier Mona­te nach Beginn der The­ra­pie, steigt das Ver­trau­en der Eltern in Unter­stüt­zungs­sys­te­me an. Nach dem inter­es­san­ten und umfang­rei­chen theo­re­ti­schen Input, erfolg­te nun die Ein­tei­lung der Anwe­sen­den in Work­shop-Grup­pen, die sich mit den The­men the­ra­peu­ti­sche Alli­anz und der Res­sour­cen­ak­ti­vie­rung aus­ein­an­der­setz­ten. Die Ergeb­nis­se die­ser Work­shops wur­den im Anschluss dar­ge­stellt und in einer Dis­kus­si­ons­run­de zusam­men­ge­fasst. Der ers­te Work­shop befass­te sich mit der Fra­ge: Wie trägt die päd­ago­gisch-the­ra­peu­ti­sche Unter­stüt­zung der Fami­li­en dazu bei, die Res­sour­cen der Eltern zu stär­ken und ihre Belas­tung zu redu­zie­ren? Als zen­tra­les Ele­ment wur­de die Wert­schät­zung und Akzep­tanz der Fami­lie durch die The­ra­peu­tin bezie­hungs­wei­se den The­ra­peu­ten, aus­ge­macht. Die­se ist als Grund­la­ge für den Auf­bau einer posi­ti­ven und trag­fä­hi­gen Arbeits­be­zie­hung anzu­se­hen. Dazu gehört auch, dass es der The­ra­peu­tin, bezie­hungs­wei­se dem The­ra­peu­ten, gelingt, den Eltern ihre bereits vor­han­de­ne Kom­pe­ten­zen sicht­bar zu machen um auf­zu­zei­gen und zu wür­di­gen, was die Eltern bis­her geleis­tet haben und den Fokus vom Pro­blem auf das Gelin­gen­de zu legen. Gleich­zei­tig ist es bedeut­sam, die emp­fun­de­ne Belas­tung anzu­er­ken­nen und in einem gemein­sa­men Arbeits­pro­zess mit den Eltern nach Bewäl­ti­gungs­mög­lich­kei­ten zu suchen. Eine wert­schät­zen­de und prä­zi­se Auf­trags­klä­rung der päd­ago­gisch-the­ra­peu­ti­schen För­de­rung ist ele­men­tar für den Arbeits­pro­zess. Bei der gemein­sa­men Fest­le­gung der Zie­le und der Abspra­che dar­über, wie die­se erreicht wer­den kön­nen, muss die The­ra­peu­tin, bezie­hungs­wei­se der The­ra­peut, das Tem­po der Fami­lie im Blick behal­ten und berück­sich­ti­gen. Was kön­nen die Eltern ver­ar­bei­ten bezie­hungs­wei­se anneh­men? Wie schnell und flüs­sig gelingt die Umset­zung von Ver­ein­ba­run­gen? et cete­ra. Das erfor­dert oft­mals ein gutes Maß an Geduld, und eben­so eine Por­ti­on Humor auf bei­den Sei­ten. Um die Res­sour­cen der Eltern zu stär­ken ist es sinn­voll, dass die The­ra­peu­tin, bezie­hungs­wei­se der The­ra­peut, die Eltern anregt, neben der Für­sor­ge für ihr Kind, auch etwas für sich zu tun. Psy­cho­hy­gie­ne und Ele­men­te aus dem Acht­sam­keits­trai­ning kön­nen in klein­schrit­ti­gen Sequen­zen emp­foh­len wer­den, sodass nicht noch zusätz­lich bei den Eltern Druck ent­steht, etwas umset­zen zu müs­sen, was sie nicht leis­ten kön­nen. Psy­cho­hy­gie­ne auf der the­ra­peu­ti­schen Sei­te ist eben­so wich­tig, was durch selbst­re­fle­xi­ve Ein­sich­ten in Fach­ge­sprä­chen, genau­so wie in Super­vi­si­ons­ein­hei­ten gesche­hen kann. In der anschlie­ßen­den Dis­kus­si­on über die­se Work­shop-Ergeb­nis­se, wur­de noch­mal das Prin­zip der Klein­schrit­tig­keit her­vor­ge­ho­ben. In Situa­tio­nen, in denen alle Betei­lig­ten das Gefühl haben, dass gar nichts mehr geht ist es beson­ders wich­tig, dass die The­ra­peu­tin, bezie­hungs­wei­se der The­ra­peut, auch die klei­nen Res­sour­cen im Blick behält, und Selbst­ver­ständ­lich­kei­ten wür­digt. Die Fra­ge, Wie haben Sie es geschafft, trotz allem die­sen Ter­min wahr­zu­neh­men?, lenkt die Auf­merk­sam­keit auf Bege­ben­hei­ten, die doch noch funk­tio­nie­ren, und es kann in den Blick genom­men wer­den, wer im Fami­li­en­sys­tem was dazu bei­trägt, dass der All­tag bewäl­tig­bar bleibt. Als zwei­ter Dis­kus­si­ons­punkt wur­de das The­ma Haus­auf­ga­ben aus der The­ra­pie für die Eltern auf­ge­nom­men. Es wur­de argu­men­tiert, dass die­se einer­seits zum Selbst­wirk­sam­keits­er­le­ben der Eltern, im Sin­ne von, ich kann etwas Kon­kre­tes tun und damit Ver­än­de­rung bewir­ken, bei­tra­gen kön­nen. Ande­rer­seits kön­nen sol­che Auf­ga­ben auch die Belas­tung der Eltern zusätz­lich inten­si­vie­ren, wenn sie damit über­for­dert sind und es ihnen nicht gelingt, die­se zu ihrer Zufrie­den­heit umzu­set­zen. Das Resü­mee lau­tet daher, dass Haus­auf­ga­ben an die Eltern von der The­ra­peu­tin, bezie­hungs­wei­se dem The­ra­peu­ten, nur mit Bedacht und dosiert ein­ge­setzt wer­den soll­ten. Der zwei­te Work­shop befass­te sich mit dem, Auf­ga­ben­zen­trier­tem Bünd­nis zwi­schen den Eltern und der The­ra­peu­tin bezie­hungs­wei­se dem The­ra­peu­ten, also der the­ra­peu­ti­schen Alli­anz. Drei zen­tra­le Fra­ge­stel­lun­gen wur­den aus­ge­ar­bei­tet und dis­ku­tiert: Wie unter­stützt das A T Z sei­ne the­ra­peu­ti­schen Mit­ar­bei­ter und Mit­ar­bei­te­rin­nenin, damit die­se eine gute the­ra­peu­ti­sche Alli­anz mit den Eltern ein­ge­hen kann? Wel­che Vor­aus­set­zung sind not­wen­dig, um eine gute the­ra­peu­ti­sche Alli­anz­part­ne­rin oder Part­ner­zu sein? Was pas­siert, wenn das auf­ga­ben­zen­trier­te Arbeits­bünd­nis zwi­schen der The­ra­peu­tin, bezie­hungs­wei­se dem The­ra­peu­ten, und den Eltern nicht gut gelingt? Schon von Beginn an, sind die Autis­mus-The­ra­pie-Zen­tren als Arbeit­ge­ber bestrebt, nur the­ra­peu­ti­sche Mit­ar­bei­ter und Mit­ar­bei­te­rin­nen ein­zu­stel­len, wel­che, neben den nöti­gen fach­li­chen Qua­li­fi­ka­tio­nen, auch die per­sön­li­chen Eigen­schaf­ten und die wert­schät­zen­de Grund­hal­tung mit­brin­gen, damit sie als ver­läss­li­che the­ra­peu­ti­sche Bezugs­per­so­nen für Fami­li­en, die von Autis­mus betrof­fen sind, agie­ren kön­nen. Eben­so wird durch das A T Z gewähr­leis­tet, dass die Rah­men­be­din­gun­gen für ein posi­ti­ves Arbeits­ver­hält­nis zwi­schen The­ra­peu­tin, bezie­hungs­wei­se The­ra­peut, und Eltern vor­han­den sind. Neben orga­ni­sa­to­ri­schen und sach­be­zo­ge­nen Res­sour­cen, wie bei­spiels­wei­se Räu­me zur Ver­fü­gung zu stel­len, oder auf Dienst­zei­ten zu ach­ten, gehö­ren zu die­sen Rah­men­be­din­gun­gen auch eine gute und aus­führ­li­che Ein­ar­bei­tung, ein gro­ßes Ange­bot an Fort­bil­dun­gen und Fall­be­ra­tung und oder Super­vi­si­on für die The­ra­peutn­nen und The­ra­peu­ten. Prin­zi­pi­ell wird dar­auf geach­tet, dass die Bedürf­nis­se des Kli­en­ten, bezie­hungs­wei­se der Kli­en­tin, und deren, bezie­hungs­wei­se des­sen, Fami­lie mit den the­ra­peu­ti­schen Kom­pe­ten­zen über­ein­stim­men. Das schließt unter ande­rem die Berück­sich­ti­gung von kul­tu­rel­len Beson­der­hei­ten ein und wur­de von der Work­shop­grup­pe als, The­ra­peu­tin, bezie­hungs­wei­se Therapeu,t‑Klient, bezie­hungs­wei­se Klin­tin-Pas­sung, benannt. Die the­ra­peu­ti­sche Fach­kraft muss über die Lei­den­schaft für Men­schen mit A S S ver­fü­gen, die es ermög­licht, mit Freu­de als The­ra­peut, bezie­hungs­wei­se The­ra­peu­tin, arbei­ten zu kön­nen. Sie braucht einen guten Rund­um­blick, was bedeu­tet, dass die The­ra­peu­tin, bezie­hungs­wei­se der The­ra­peut, schon beim Ein­ge­hen des Arbeits­bünd­nis­ses mit den Fami­li­en, mög­lichst alle Bege­ben­hei­ten erfas­sen und im Blick behal­ten soll. Als zen­tral für die Grund­la­ge der gelin­gen­den the­ra­peu­ti­schen Alli­anz, stellt sich die Kom­pe­tenz der The­ra­peu­tin, bezie­hungs­wei­se des The­ra­peu­ten, her­aus, auf den Dia­gno­se­ver­ar­bei­tungs­pro­zess der Eltern sen­si­bel ein­zu­ge­hen, und sich bei der oft gestell­ten Schuld­fra­ge, meis­tens bei den Müt­tern, klar zu posi­tio­nie­ren. Es ist wich­tig, dass die The­ra­peu­tin, bezie­hungs­wei­se der The­ra­peut, die Res­sour­cen der Fami­li­en erkennt, akti­viert und nutzt, aber auch die Schwä­chen akzep­tiert, und das indi­vi­du­el­le Arbeits­tem­po berück­sich­tigt. The­ra­peu­ti­sche Offen­heit für die Bedürf­nis­se, und even­tu­ell vor­han­de­ne kul­tu­rel­le Unter­schie­de in den fami­liä­ren Sys­te­men der Kli­en­tIn­nen, ist eben­so Vor­aus­set­zung für eine gute the­ra­peu­ti­sche Alli­anz. Von gro­ßer Bedeu­tung ist das Wis­sen der The­ra­peu­tin, bezie­hungs­wei­se des The­ra­peu­ten, dass er nicht für alle Fra­ge­stel­lun­gen und Auf­ga­ben, wel­che das Fami­li­en­sys­tem mit sich bringt, allei­ne ver­ant­wort­lich sein muss. Eine gute Ver­net­zung mit Koope­ra­ti­ons­part­nern aus dem Hil­fe­sys­tem, trägt des­halb eben­so dazu bei, dass das Arbeits­bünd­nis zwi­schen den Eltern und der The­ra­peu­tin, bezie­hungs­wei­se dem The­ra­peu­ten, gut gelingt. Trotz all die­ser Erkennt­nis­se ist es in Aus­nah­me­fäl­len auch mög­lich, dass das auf­ga­ben­zen­trier­te Arbeits­bünd­nis zwi­schen der The­ra­peu­tin, bezie­hungs­wei­se dem The­ra­peu­ten, und den Eltern nicht gut gelingt. Wich­tig ist in die­sem Fall, die­se Tat­sa­che mög­lichst früh zu erken­nen, und zu akzep­tie­ren. In einem wei­te­ren Schritt muss das Pro­blem ana­ly­siert, meist zusam­men mit der fach­li­chen Lei­tung des Autis­mus-The­ra­pie-Zen­trums, und Lösungs­mög­lich­kei­ten müs­sen erar­bei­tet wer­den. Falls auch die­se kei­ne Ver­bes­se­rung der the­ra­peu­ti­schen Alli­anz gewähr­leis­ten, ist es sinn­voll, dass die Zustän­dig­keit für die päd­ago­gi­sche bezie­hungs­wei­se the­ra­peu­ti­sche För­de­rung der Fami­lie, zu einer ande­ren The­ra­peu­ti, bezie­hungs­wei­se einem ande­ren The­ra­peu­ten, wech­selt. Die oben genann­ten For­schungs­er­geb­nis­se und die Erkennt­nis­se aus den Work­shops, bie­ten sicher­lich Anstoß für Dis­kus­sio­nen über die Bedeut­sam­keit für die wei­te­re the­ra­peu­ti­sche Arbeit in den Autis­mus-The­ra­pie-Zen­tren. Sie bele­gen die Wirk­sam­keit von bereits gut umge­setz­ter Arbeits­wei­se im the­ra­peu­ti­schen All­tag, und bil­den eine Grund­la­ge dafür, neue Ideen und Gestal­tungs­mög­lich­kei­ten zu entwickeln. 

Arbeitstagung zum
Forschungsprojekt ELKASS

Am Frei­tag, den 13.09.2019 fand in der Tech­ni­schen Uni­ver­si­tät Dort­mund die letz­te von ins­ge­samt drei Tagun­gen zum For­schungs­pro­jekt ELKASS – Eltern von Kin­dern mit Autis­mus-Spek­trum-Stö­run­gen — statt. Die­se Stu­die wid­me­te sich der For­schungs­fra­ge, inwie­weit die päd­ago­gisch-the­ra­peu­ti­sche För­de­rung der Kin­der und Jugend­li­chen mit Autis­mus-Spek­trum-Stö­run­gen in den ATZs dazu bei­trägt, die Belas­tun­gen der Eltern zu ver­rin­gern und ihre Res­sour­cen zur Bewäl­ti­gung der Anfor­de­run­gen zu stär­ken (Trös­ter, Ober­feld, Kra­win­kel & Lan­ge, 2017). Zunächst begrüß­te der Lei­ter des For­schungs­pro­jek­tes, Prof. Dr. Hein­rich Trös­ter, die anwe­sen­den Reprä­sen­tan­tIn­nen der zehn an der Stu­die mit­wir­ken­den Autis­mus-The­ra­pie­zen­tren. Stu­di­en­ko­or­di­na­to­rin Dr. Sarah Lan­ge sowie Frau Tere­sa Mann (M.A.) gaben dann in ihrem Kurz­vor­trag „Kli­en­tel, the­ra­peu­ti­sches Per­so­nal und För­der­an­ge­bo­te der Autis­mus-The­ra­pie-Zen­tren“ einen Über­blick über die Zusam­men­set­zung der mul­ti­pro­fes­sio­nel­len Teams, die Dia­gno­sen der Klient/innen sowie die unter­schied­li­chen The­ra­pie­me­tho­den, die die The­ra­peu­tin­nen und The­ra­peu­ten der ATZs ein­set­zen. Ein aus­führ­li­cher Bericht über die For­schungs­er­geb­nis­se ist in der Zeit­schrift des Bun­des­ver­ban­des autis­mus Deutsch­land e.V., Aus­ga­be Nr. 86 Dezem­ber 2018 nachzulesen. 
ELKASS - Abschlusstagung autismus Deutschland e.V.
Im fol­gen­den Kurz­vor­trag erklär­te Herr Prof. Dr. Trös­ter, wie das Stu­di­en­de­sign ent­wi­ckelt wur­de, und wie die Längs­schnitt­stu­die auf­ge­baut war. Die gewon­ne­nen For­schungs­er­geb­nis­se umfas­sen einen För­der­zeit­raum von acht Mona­ten und basie­ren auf den Anga­ben von 102 Eltern von Kin­dern und Jugend­li­chen mit ASS, die an allen drei Erhe­bungs­zeit­punk­ten der Stu­die teil­ge­nom­men haben. Details zu der durch­ge­führ­ten Stu­die kön­nen auf der Inter­net­prä­senz der TU Dort­mund, Fakul­tät Reha­bi­li­ta­ti­ons­wis­sen­schaf­ten, nach­ge­le­sen wer­den. Ins­be­son­de­re vier Fra­ge­stel­lun­gen waren für das For­schungs­team von Interesse: 
  • Wel­che Anfor­de­run­gen erge­ben sich für die Eltern aus der Sym­pto­ma­tik des Kindes?
  • Inwie­weit füh­ren die­se Anfor­de­run­gen zu Belas­tun­gen der Eltern?
  • Auf wel­che Res­sour­cen kön­nen Eltern zurück­grei­fen, um die Anfor­de­run­gen zu bewältigen?
  • Inwie­weit trägt die päd­ago­gisch-the­ra­peu­ti­sche Unter­stüt­zung der Fami­li­en dazu bei, die Res­sour­cen der Eltern zu stär­ken und ihre Belas­tung zu reduzieren?
Im nach­fol­gen­den Vor­trag von Frau Dr. Lan­ge und Herrn Prof. Dr. Trös­ter wur­de das Anfor­de­rungs- und Belas­tungs­pro­fil von Eltern von Kin­dern mit Autis­mus-Spek­trum-Stö­run­gen detail­liert vor­ge­stellt. Frau Dr. Lan­ge erklär­te, dass es vier Ebe­nen der elter­li­chen Belas­tung gäbe. Inter­es­sant sei­en wäh­rend ihrer For­schung ins­be­son­de­re der Zusam­men­hang der Beein­träch­ti­gun­gen im All­tag und den Anfor­de­run­gen für die Eltern, sowie der Zusam­men­hang zwi­schen den Anfor­de­run­gen und Belas­tun­gen der Fami­li­en gewe­sen. In der anschlie­ßen­den Dis­kus­si­on wur­de die Wich­tig­keit der Eltern­ar­beit her­aus­ge­stellt. Nach dem gemein­sa­men Mit­tag­essen ging es mit einem erneu­ten Kurz­vor­trag von Herrn Prof. Dr. Trös­ter wei­ter im Tagungs­pro­gramm. Der nächs­te Teil, den Herr Dr. Trös­ter refe­rier­te, hat­te die the­ra­peu­ti­sche Alli­anz und Res­sour­cen­ak­ti­vie­rung in der Autis­mus­the­ra­pie zum The­ma. Die Grund­fra­ge, ob es nach Auf­nah­me der autis­mus­spe­zi­fi­schen För­de­rung zu einer Ent­las­tung der Fami­li­en kommt, kön­ne Herrn Trös­ter zufol­ge ein­deu­tig mit „Ja“ beant­wor­tet wer­den. Dabei sei die the­ra­peu­ti­sche Alli­anz als bedeu­tends­ter Wirk­fak­tor zu erwäh­nen. Die the­ra­peu­ti­sche Alli­anz bezeich­net das Arbeits­bünd­nis zwi­schen Therapeut/in und Klient/in und lässt sich Bor­din (1979/1994) zufol­ge in die Berei­che Bond (Ver­trau­en, Bin­dung, gemein­sa­mes Ver­ant­wort­lich­keits­ge­fühl), Goals (Über­ein­stim­mung über die Ziel­set­zung) und Tasks (Über­ein­stim­mung bezüg­lich der Auf­ga­ben) ein­tei­len. Die Bezie­hungs­zu­frie­den­heit ist Herrn Dr. Trös­ter nach aus­schlag­ge­bend für den The­ra­pie­er­folg. Eine gute Qua­li­tät der Bezie­hung zwi­schen den Eltern und der/dem The­ra­peu­tin/-en hat Ein­fluss dar­auf, ob die Belas­tung der Eltern im The­ra­pie­ver­lauf abnimmt. Die star­ke Ein­bin­dung der Eltern in die the­ra­peu­ti­sche Arbeit führt zudem zu einem posi­ti­ven Effekt im Belas­tungs­er­le­ben der Eltern. Als wei­te­res Wirk­prin­zip, neben der the­ra­peu­ti­schen Alli­anz, wur­de die Res­sour­cen­ak­ti­vie­rung beschrie­ben. Ins­be­son­de­re die Selbst­wirk­sam­keits­über­zeu­gun­gen der Eltern sind als moti­va­tio­na­le Trieb­fe­dern zu betrach­ten. Dabei führt wie­der­um auch die Bezie­hungs­zu­frie­den­heit zu einer wahr­ge­nom­me­nen Selbst­wirk­sam­keit. Wer­den Eltern gut in die För­de­rung mit ein­be­zo­gen, steigt auch das Ver­trau­en in die eige­nen Kom­pe­ten­zen. Die Fra­ge, ob die The­ra­pie die wahr­ge­nom­me­ne Ver­füg­bar­keit sozia­ler Unter­stüt­zung der Eltern stärkt, kann eben­falls mit „Ja“ beant­wor­tet wer­den. Inner­halb der ers­ten vier Mona­te nach Beginn der The­ra­pie steigt das Ver­trau­en der Eltern in Unter­stüt­zungs­sys­te­me an. Nach dem inter­es­san­ten und umfang­rei­chen theo­re­ti­schen Input erfolg­te nun die Ein­tei­lung der Anwe­sen­den in Work­shop-Grup­pen, die sich mit den The­men the­ra­peu­ti­sche Alli­anz und der Res­sour­cen­ak­ti­vie­rung aus­ein­an­der­setz­ten. Die Ergeb­nis­se die­ser Work­shops wur­den im Anschluss dar­ge­stellt und in einer Dis­kus­si­ons­run­de zusam­men­ge­fasst. Der ers­te Work­shop befass­te sich mit der Fra­ge: Wie trägt die päd­ago­gisch-the­ra­peu­ti­sche Unter­stüt­zung der Fami­li­en dazu bei, die Res­sour­cen der Eltern zu stär­ken und ihre Belas­tung zu redu­zie­ren? Als zen­tra­les Ele­ment wur­de die Wert­schät­zung und Akzep­tanz der Fami­lie durch die / den The­ra­peu­tin/-en aus­ge­macht. Die­se ist als Grund­la­ge für den Auf­bau einer posi­ti­ven und trag­fä­hi­gen Arbeits­be­zie­hung anzu­se­hen. Dazu gehört auch, dass es der/dem The­ra­peu­tin/-en gelingt, den Eltern ihre bereits vor­han­de­ne Kom­pe­ten­zen sicht­bar zu machen um auf­zu­zei­gen und zu wür­di­gen, was die Eltern bis­her geleis­tet haben und den Fokus vom Pro­blem auf das Gelin­gen­de zu legen. Gleich­zei­tig ist es bedeut­sam, die emp­fun­de­ne Belas­tung anzu­er­ken­nen und in einem gemein­sa­men Arbeits­pro­zess mit den Eltern nach Bewäl­ti­gungs­mög­lich­kei­ten zu suchen. Eine wert­schät­zen­de und prä­zi­se Auf­trags­klä­rung der päd­ago­gisch-the­ra­peu­ti­schen För­de­rung ist ele­men­tar für den Arbeits­pro­zess. Bei der gemein­sa­men Fest­le­gung der Zie­le und der Abspra­che dar­über, wie die­se erreicht wer­den kön­nen, muss die / der Therapeut*in das Tem­po (Was kön­nen die Eltern ver­ar­bei­ten / anneh­men? Wie schnell und flüs­sig gelingt die Umset­zung von Ver­ein­ba­run­gen? etc.) der Fami­lie im Blick behal­ten und berück­sich­ti­gen. Das erfor­dert oft­mals ein gutes Maß an Geduld und eben­so eine Por­ti­on Humor auf bei­den Sei­ten. Um die Res­sour­cen der Eltern zu stär­ken ist es sinn­voll, dass die / der Therapeut*in die Eltern anregt, neben der Für­sor­ge für ihr Kind, auch etwas für sich zu tun. Psy­cho­hy­gie­ne und Ele­men­te aus dem Acht­sam­keits­trai­ning kön­nen in klein­schrit­ti­gen Sequen­zen emp­foh­len wer­den, sodass nicht noch zusätz­lich bei den Eltern Druck ent­steht, etwas umset­zen zu müs­sen, was sie nicht leis­ten kön­nen. Psy­cho­hy­gie­ne auf der the­ra­peu­ti­schen Sei­te ist eben­so wich­tig, was durch selbst­re­fle­xi­ve Ein­sich­ten in Fach­ge­sprä­chen genau­so wie in Super­vi­si­ons­ein­hei­ten gesche­hen kann. In der anschlie­ßen­den Dis­kus­si­on über die­se Work­shop-Ergeb­nis­se wur­de noch­mal das Prin­zip der Klein­schrit­tig­keit her­vor­ge­ho­ben. In Situa­tio­nen, in denen alle Betei­lig­ten das Gefühl haben, dass „gar nichts mehr geht“ ist es beson­ders wich­tig, dass die/der Therapeut*in auch die „klei­nen Res­sour­cen“ im Blick behält und „Selbst­ver­ständ­lich­kei­ten“ wür­digt. Die Fra­ge „Wie haben Sie es geschafft, trotz allem die­sen Ter­min wahr­zu­neh­men?“ lenkt die Auf­merk­sam­keit auf Bege­ben­hei­ten, die doch noch funk­tio­nie­ren und es kann in den Blick genom­men wer­den, wer im Fami­li­en­sys­tem was dazu bei­trägt, dass der All­tag bewäl­tig­bar bleibt. Als zwei­ter Dis­kus­si­ons­punkt wur­de das The­ma „Haus­auf­ga­ben aus der The­ra­pie“ für die Eltern auf­ge­nom­men. Es wur­de argu­men­tiert, dass die­se einer­seits zum Selbst­wirk­sam­keits­er­le­ben der Eltern, im Sin­ne von „ich kann etwas Kon­kre­tes tun und damit Ver­än­de­rung bewir­ken“ bei­tra­gen kön­nen. Ande­rer­seits kön­nen sol­che Auf­ga­ben auch die Belas­tung der Eltern zusätz­lich inten­si­vie­ren, wenn sie damit über­for­dert sind und es ihnen nicht gelingt, die­se zu ihrer Zufrie­den­heit umzu­set­zen. Das Resü­mee lau­tet daher, dass Haus­auf­ga­ben an die Eltern von der/dem The­ra­peu­tin/-en nur mit Bedacht und dosiert ein­ge­setzt wer­den soll­ten. Der zwei­te Work­shop befass­te sich mit dem „Auf­ga­ben­zen­trier­tem Bünd­nis“ zwi­schen den Eltern und der/dem The­ra­peu­tin/-en, also der „the­ra­peu­ti­schen Alli­anz“. Drei zen­tra­le Fra­ge­stel­lun­gen wur­den aus­ge­ar­bei­tet und diskutiert: 
  1. Wie unter­stützt das ATZ sei­ne/-n the­ra­peu­ti­sche/-n Mitarbeiter*in, damit die­se/-r eine gute the­ra­peu­ti­sche Alli­anz mit den Eltern ein­ge­hen kann?
  2. Wel­che Vor­aus­set­zung sind not­wen­dig, um ein/-e gute/-r the­ra­peu­ti­sche/-r Allianzpartner*in zu sein?
  3. Was pas­siert, wenn das auf­ga­ben­zen­trier­te Arbeits­bünd­nis zwi­schen der/dem Therapeut*in und den Eltern nicht gut gelingt?
Schon von Beginn an, sind die ATZs als Arbeit­ge­ber bestrebt nur the­ra­peu­ti­sche Mit­ar­bei­te­rIn­nen ein­zu­stel­len, wel­che neben den nöti­gen fach­li­chen Qua­li­fi­ka­tio­nen auch die per­sön­li­chen Eigen­schaf­ten und die wert­schät­zen­de Grund­hal­tung mit­brin­gen, damit sie als ver­läss­li­che the­ra­peu­ti­sche Bezugs­per­so­nen für Fami­li­en, die von Autis­mus betrof­fen sind, agie­ren kön­nen. Eben­so wird durch das ATZ gewähr­leis­tet, dass die Rah­men­be­din­gun­gen für ein posi­ti­ves Arbeits­ver­hält­nis zwi­schen Therapeut*in und Eltern vor­han­den sind. Neben orga­ni­sa­to­ri­schen / sach­be­zo­ge­nen Res­sour­cen wie bei­spiels­wei­se Räu­me zur Ver­fü­gung zu stel­len oder auf Dienst­zei­ten zu ach­ten, gehö­ren zu die­sen Rah­men­be­din­gun­gen auch eine gute und aus­führ­li­che Ein­ar­bei­tung, ein gro­ßes Ange­bot an Fort­bil­dun­gen und Fall­be­ra­tung und/oder Super­vi­si­on für die The­ra­peu­tIn­nen. Prin­zi­pi­ell wird dar­auf geach­tet, dass die Bedürf­nis­se der/des Kli­en­tin/-en und deren/dessen Fami­lie mit den the­ra­peu­ti­schen Kom­pe­ten­zen über­ein­stim­men. Das schließt unter ande­rem die Berück­sich­ti­gung von kul­tu­rel­len Beson­der­hei­ten ein und wur­de von der Work­shop­grup­pe als „Therapeut*in-Klient*in-Passung“ benannt. Die the­ra­peu­ti­sche Fach­kraft muss über die Lei­den­schaft für Men­schen mit ASS ver­fü­gen, die es ermög­licht mit Freu­de als Therapeut*in arbei­ten zu kön­nen. Sie braucht einen guten „Rund­um­blick“, was bedeu­tet, dass die/der Therapeut*in schon beim Ein­ge­hen des Arbeits­bünd­nis­ses mit den Fami­li­en mög­lichst alle Bege­ben­hei­ten erfas­sen und im Blick behal­ten soll. Als zen­tral für die Grund­la­ge der gelin­gen­den the­ra­peu­ti­schen Alli­anz stellt sich die Kom­pe­tenz der/des Therapeut*in her­aus, auf den Dia­gno­se­ver­ar­bei­tungs­pro­zess der Eltern sen­si­bel ein­zu­ge­hen und sich bei der oft gestell­ten Schuld­fra­ge (meis­tens bei den Müt­tern) klar zu posi­tio­nie­ren. Es ist wich­tig, dass die/der Therapeut*in die Res­sour­cen der Fami­li­en erkennt, akti­viert und nutzt, aber auch die Schwä­chen akzep­tiert und das indi­vi­du­el­le Arbeits­tem­po berück­sich­tigt. The­ra­peu­ti­sche Offen­heit für die Bedürf­nis­se und even­tu­ell vor­han­de­ne kul­tu­rel­le Unter­schie­de in den fami­liä­ren Sys­te­men der Kli­en­tIn­nen ist eben­so Vor­aus­set­zung für eine gute the­ra­peu­ti­sche Alli­anz. Von gro­ßer Bedeu­tung ist das Wis­sen der / des The­ra­peu­tin/-en, dass er nicht für alle Fra­ge­stel­lun­gen und Auf­ga­ben, wel­che das Fami­li­en­sys­tem mit sich bringt, allei­ne ver­ant­wort­lich sein muss. Eine gute Ver­net­zung mit Koope­ra­ti­ons­part­nern aus dem Hil­fe­sys­tem trägt des­halb eben­so dazu bei, dass das Arbeits­bünd­nis zwi­schen den Eltern und der / dem The­ra­peu­tin/-en gut gelingt. Trotz all die­ser Erkennt­nis­se ist es in Aus­nah­me­fäl­len auch mög­lich, dass das auf­ga­ben­zen­trier­te Arbeits­bünd­nis zwi­schen der/dem Therapeut*in und den Eltern nicht gut gelingt. Wich­tig ist in die­sem Fall, die­se Tat­sa­che mög­lichst früh zu erken­nen und zu akzep­tie­ren. In einem wei­te­ren Schritt muss das Pro­blem ana­ly­siert (meist zusam­men mit der fach­li­chen Lei­tung des ATZs) und Lösungs­mög­lich­kei­ten müs­sen erar­bei­tet wer­den. Falls auch die­se kei­ne Ver­bes­se­rung der the­ra­peu­ti­schen Alli­anz gewähr­leis­ten, ist es sinn­voll, dass die Zustän­dig­keit für die pädagogische/therapeutische För­de­rung der Fami­lie zu einer/-m ande­rer/-en The­ra­peu­tin/-en wech­selt. Die oben genann­ten For­schungs­er­geb­nis­se und die Erkennt­nis­se aus den Work­shops bie­ten sicher­lich Anstoß für Dis­kus­sio­nen über die Bedeut­sam­keit für die wei­te­re the­ra­peu­ti­sche Arbeit in den ATZs. Sie bele­gen die Wirk­sam­keit von bereits gut umge­setz­ter Arbeits­wei­se im the­ra­peu­ti­schen All­tag und bil­den eine Grund­la­ge dafür neue Ideen und Gestal­tungs­mög­lich­kei­ten zu entwickeln. 

Literatur:

Bor­din, E. S. (1979). The gene­ra­liza­bi­li­ty of the psy­cho­ana­ly­tic con­cept of the working alli­an­ce. Psy­cho­the­ra­py: Theo­ry Rese­arch and Prac­ti­ce, 16, 252–260

Bor­din, E. (1994). Theo­ry and rese­arch on the the­ra­peu­tic working alli­an­ce: New direc­tions. In A. O.

Hor­varth & L. Green­berg (Eds.), The working alli­an­ce: Theo­ry, rese­arch and prac­ti­ce (pp.13–37). New York: Wiley.

Trös­ter, H., Ober­feld C., Kra­win­kel, S. & Lan­ge S. (2017). Anfor­de­run­gen, Belas­tun­gen und Res­sour­cen von Eltern mit Kin­dern mit Autis­mus-Spek­trum-Stö­run­gen. Aktu­el­le Ergeb­nis­se des For­schungs­pro­jek­tes ELKASS. In Bun­des­ver­band autis­mus Deutsch­land e.V.(Hrsg.), Ler­nen-Arbeit­Le­bens­qua­li­tät. Bericht der 15. Bun­des­ta­gung in Dor­mund vom 9.–11. Juni 2017 (S. 322–342). Karls­ru­he: von Loeper Fach­buch Autismus.

Buchempfehlung:

Hein­rich Trös­ter, Sarah Lan­ge
Eltern von Kin­dern mit Autis­mus-Spek­trum-Stö­run­gen
Anfor­de­run­gen, Belas­tun­gen und Res­sour­cen
Sprin­ger-Ver­lag
ISBN 978–3‑658–24814‑7

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Die Zufriedenheit mit der Therapeut-Eltern-Beziehung und dem Therapieerfolg aus Sicht von Eltern und Therapeut*innen in Autismus-Therapie-Zentren

Pos­ter der Tech­ni­schen Uni­ver­si­tät Dort­mund / Fakul­tät Reha­bi­li­ta­ti­ons­wis­sen­schaf­ten. Autoren: Ste­fa­nie Kra­win­kel, Sarah Lan­ge, Tere­sa Mann & Hein­rich Trös­ter
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Die therapeutische Allianz zwischen Eltern und Therapeut*in als Wirkfaktor der Autismusförderung

Pos­ter der Tech­ni­schen Uni­ver­si­tät Dort­mund / Fakul­tät Reha­bi­li­ta­ti­ons­wis­sen­schaf­ten. Autoren: Tere­sa Mann, Sarah Lan­ge, Ste­fa­nie Kra­win­kel & Hein­rich Trös­ter
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Bewältigungsstrategien von Eltern mit Kindern mit Autismus-Spektrum-Störung und ihr Einfluss auf die elterliche Belastung

Pos­ter der Tech­ni­schen Uni­ver­si­tät Dort­mund / Fakul­tät Reha­bi­li­ta­ti­ons­wis­sen­schaf­ten. Autoren: Sarah Lan­ge, Tere­sa Mann, Ste­fa­nie Kra­win­kel & Hein­rich Trös­ter
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